Ricardo Mateus
Gründer der Sambaschule " Rot Weiss Rot"


Die Sambaschule "Rot Weiss Rot" ist wohl etwas, das ich schon seit immer in mir getragen habe, auch schon während ich noch in Brasilien lebte.
Als ich mich dann entschloß Brasilien zu verlassen, fragte ich mich, was ich denn "da draußen" alles machen würde...... Natürlich! - Eine Sambaschule!!!

1983 machte ich den Schritt von Sao Paulo nach Madrid und ging anschließend für ein Jahr nach Deutschland, wo ich mit der Gruppe "Tangas do Brasil" arbeitete. Wir waren dauernd auf Tournee und so betrat ich zum ersten Mal österreichischen Boden, allerdings nicht in Wien, sondern in Graz. Dort spielte ich eine Woche in der alten Diskothek "Haus Göttinger".

Anschließend ging ´s nach Indien und dann drei Monate nach Skandinavien. Die SchwedInnen, NorwegerInnen und FinnländerInnen hatten den Samba schon kennen und lieben gelernt. Für mich ist Finnland das Land mit den besten Sambaschulen in Europa und die Bewunderung und Assimilation der FinnländerInnen für die brasilianische Kultur ist etwas sehr Spannendes.

Nach zahlreichen Reisen, machte ich eine kleine Pause und traf mich mit meinem Freund und Partner Dudu Tucci, Percussionist aus Sao Paulo, in Berlin. Er lud mich gemeinsam mit dem Tänzer Ismael Ivo und Karl Regensburg an seinem Projekt teilzunehmen.
Ich kam aufs Neue nach Österreich und dieses Mal auch nach Wien, um an den ersten Sommertanzwochen zu partizipieren.
Meine Faszination für die Begeisterung, die das österreichische Publikum der brasilianischen Kultur entgegenbrachte, war groß und so entschloß ich mich zur Gründung von "Rot Weiss Rot"!!!

Wenn man von einer Sambaschule spricht, spricht man nicht von nur einigen "ritmistas" (Personen, die in der Bateria diverse Instrumente spielen) und von Frauen mit wenig Bekleidung, sondern von viel mehr: Sambaschule bedeutet Lebensphilosophie!
Die Philosophie ist es, Leute zu vereinen, die eine Freude daran haben gemeinsam für diese Organisation zu arbeiten, ohne Diskriminierung auf Grund von sozialem Status, Alter oder Nationalität.
"Rot Weiss Rot" gibt es seit 1984 und wenn es nicht das Größte, so ist es zumindest eines der größten Integrationsprojekte Österreichs. Es ist unmöglich abzuschätzen, wie viele Personen aus allen Teilen der Welt schon in der Sambaschule ein- und ausgegangen sind und immer noch ein- und ausgehen.
Schon vor meiner Geburt waren meine Eltern in diese Aktivität eingebunden und so fand meine erste musikalische Formation mit 12 Jahren im Rahmen des Candomblé und Umbanda statt. Dort lernte ich die Rhythmen der afrikanischen Götter und Göttinnen der Yoruba- Nation kennen- von den Sklaven damals nach Brasilien gebracht- und die Atabaques (mystische Trommeln in den Candomblé - Ritualen) zu spielen.
In dieser Religion hat jeder Gott und jede Göttin sein/ihren eigenen Gesang, Rhythmus und Tanz und ihre Kraft hängt stark mit den Elementen der Natur zusammen.
Die Trommeln sind heilig und waren das erste Kommunikationsmedium der Menschheit. Die Funktion für die Gottheiten zu trommeln nennt man "Ogam".
Die Sambaschulen sind der größte Ausdruck der schwarzen Kultur in Brasilien. Und ich fühle mich sehr geehrt derjenige sein zu dürfen, der diese kulturelle Manifestation hierher gebracht hat. In ein Land, das der Welt große Musiker und Komponisten wie Strauß, Mozart und viele mehr geschenkt hat!

Ich möchte eine feste Umarmung an diese Familie schicken, die sich auf der ganzen Welt verteilt und ausbreitet!

Samba ist nicht Mathematik ...Samba ist verkörpertes, einverleibtes Gefühl!

Ricardo Mateus
NACHSATZ:

Franziska Rössl, ein Mitglied der Sambaschule aus den Gründertagen, schrieb im Jahre 2003 eine Diplomarbeit mit dem Titel

„Afro-brasilianische Perkussionsinstrumente in Wien“
Die Trommel als Instrument interkultureller Begegnung.
 

Das Kapitel 5 dieser sehr umfangreichen Arbeit beschreibt die Gründung der SAMBASCHULE ROT WEISS ROT und die Zeit bis 2002. ->siehe PDF<-

Die gesamte Arbeit ist auf Franziskas Homepage www.samba.eu.tf zu lesen.

 

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